Ein Manifest für die Erde


    Bei    
  Ted Mosquin,
3944 McDonald's Corners Road,

Balderson, Ontario K0G 1A0, Canada
Email: <ted.mosquin50@gmail.com>
und J. Stan Rowe
(1918 - 2004)


 


This Manifesto has been published in the quarterly journal: 'Biodiversity' Volume 5, No. 1, pages 3 to 9, January/March 2004. The journal is owned by The Tropical Conservancy, a charitable organization whose address is 94 Four Seasons Drive, Ottawa, Ontario, K2E 7S1. Subscriptions rates and back issues at URL: <www.biodiversityconservancy.org> where an electronic version of the Manifesto will be available in the near future. A pdf file of the Manifesto (with graphics) can be downloaded at www.ecospherics.net/pages/EarthManifesto.pdf


Präambel

Viele Bewegungen in der Kunst und Philosophie haben Manifeste produziert, deren Wahrheiten den Autoren genauso manifest waren wie die fünf Finger auf der Hand. Dieses Manifest proklamiert auch selbstverständliche Wahrheiten, die uns so offenkündig sind wie die fünf Teile der Umwelt -- Land, Luft, Wasser, Feuer/Sonnenschein und Organismen – in der wir leben, uns bewegen und unser Dasein verbringen. Das Manifest ist zentriert auf die Erde. Es ändert und erweitert die Richtung der Werte von der Humanität auf die umgebende Ökosphäre, d.h. auf das Netz der organischen/anorganischen/symbiotischen Strukturen und Prozesse, die die Weltkugel konstituieren.

Die Ökosphäre ist die lebenschenkende Matrix, die alle Organismen umgibt und die auf intime Weise mit ihnen in die Evolutionsgeschichte verwickelt ist . Organismen sind aus der Luft, dem Wasser und den Sedimenten entstanden, die ihrerseits organische Prägungen enthalten. Die Komposition des Meereswassers wird von Organismen stabilisiert, die auch die Atmosphäre stabilisieren. Pflanzen und Tiere bildeten den Kalkstein in Bergen, deren Sedimente heute unsere Knochen ausmachen. Die falschen Unterscheidungen, die wir zwischen Lebendem und Nicht-Lebendem, Biotischem und Abiotischem, Organischem und Anorganischem machen, bedrohen die Stabilität und das evolutionäre Potential der Okösphäre.

Das Experiment der Menschen, das lediglich 10.000 Jahre andauert, wird ausgespielt auf Kosten der Natur; es kulminiert in der Wirtschaftsglobilisierung und ist dabei zu scheitern. Die Hauptursache dieses Scheiterns ist, dass wir die Wichtigkeit der eigenen Spezies allem voran gestellt haben. Wir haben den Irrtum begangen, die Erde, ihre Ökosysteme und ihre unzähligen organischen/anorganischen Teile lediglich wie brauchbare Ressourcen zu betrachten, die nur dadurch wertvoll sind, dass sie die Bedürfnisse unseres Tun und Wollens bedecken. Eine mutige Änderung in den Werten und im Handeln ist notwendig. Die Diagnosen und Verordnungen hinsichtlich der Erde-Mensch-Beziehung sind zahlreich. Wir wollen hier die dringende Verordnung betonen, die den Erfolg der anderen Maßnahmen garantiert. Eine neue Weltanschauung, die in der Ökosphäre des Planeten verankert ist, gibt uns die Richtung an.


Äußerung der Überzeugung

Jeder sucht nach dem Sinn im Leben, nach tragbaren Überzeugungen, welche verschiedene Formen annehmen können. Viele wählen einen derartigen Glauben, der die Wichtigkeit der Erde ignoriert oder ablehnt. Sie erkennen den tiefgehenden Zusammenhang nicht, nämlich dass die Erde uns gebärt und ernährt bis auf unser Lebensende. In der aktuellen dominanten Industriekulur ist die ‚Erde als Heimat’ kein selbstverständlicher Begriff. Wenige nehmen täglich mit Bewunderung die alles umgebende Matrix wahr, von der wir gekommen sind und zu der wir, am Ende, zurückkehren. Da wir der Erde entstammen, bergen die Harmonien von Land, Meer, Himmel und den unzähligen wunderschönen Organismen reiche und kaum verstandene Bedeutungen in sich.

Wir sind davon überzeugt, dass die Menschen fortfahren werden, ihren eigenen Interessen nachzugehen, bis die Ökosphäre anerkannt ist als Gemeinschaftsplatz aller Menschen, auf den wir nicht verzichten können. Ohne eine ökozentrierte Perspektive, die Werte und Ziele an eine Realität bindet, die größer ist als die unserer Spezies, wird die Überwindung von politischen, ökonomischen und religiösen Konflikten unmöglich sein. Bis der Fokus, der eng auf menschliches Handeln gerichtet ist, auf die Erdökosphären, d.h. die lokalen und regionalen Orte, wo wir leben, ausgeweitet wird, wird das Streben nach gesunden und haltbaren Lebensweisen scheitern

Eine vertrauensvolle Bindung an die Ökosphäre, ein auf Ästhetik basiertes Mitgefühl mit der uns umgebende Natur, ein Sinn für den Wunder der Lebenden Erde und ihre mystischen Harmonien ist das größtenteils unerkannte Erbe der Menschheit. Wenn dieses Erbe mit Gefallen wieder erkannt ist, wird unsere Bindung an die Natur die in der industrialisierten Welt erlebten Lücken ausfüllen. Wichtige ökologische Ziele, die die Zivilisation und Urbanisierung verdrängt haben, werden wieder hervortreten. Das Ziel ist die Wiederherstellung der Vielfalt und Schönheit der Erde. Unsere verschwenderische Spezies soll wieder ein kooperativer, verantwortungstragender und ethischer Teil sein.


Zentrale Prinzipien
Prinzip 1. Die Ökosphäre ist das Wertezentrum der Menschheit
Prinzip 2. Die Kreativität und Produktivität des Erdökosystems hängt von der Integrität dieses Ökosystems ab.
Prinzip 3. Das Erde als Weltbildzentrum ist durch die Naturkunde unterstützt
Prinzip 4. Eine ökozentrierte Ethik basiert auf der Wahrnehmung unseres Platzes in der Natur
Prinzip 5. Ein ökozentriertes Weltbild schätzt die Diversität der Ökosysteme und Kulturen
Prinzip 6. Die ökozentrierte Ethik stützt die soziale Gerechtigkeit

Aktionsprinzipien
Prinzip 7. Verteidige und bewahre das Schöpfungspotential der Erde
Prinzip 8. Reduziere die Weltbevölkerung
Prinzip 9. Reduziere den Verbrauch der Erdteile
Prinzip 10. Fördere ökozentriertes Handeln
Prinzip 11. Verbreite die Botschaft


Zentrale Prinzipien

Prinzip 1. Die Ökosphäre ist das Wertezentrum der Menschheit

Die Ökosphäre, die Erdkugel, ist die generative Quelle evolutionärer Kreativität. Aus den anorganichen/organischen Ökosystemen des Planeten sind Organismen entstanden: zuerst Bakterien, viel später jene komplexen Konförderationen von Zellen, die dem Menschen zugrunde liegen. Deswegen übertreffen dynamische Ökosysteme, die in allen Teilen der Ökosphäre ihren Ausdruck bekommen, die Spezien, die sie beinhalten, an Wert und Wichtigkeit.

Der Realität und dem Wert des ökologischen oder äußerlichen Daseins jedes Menschen hat man wenig Aufmerksamkeit geschenkt im Vergleich mit dem Gedankengut, das man dem innerlichen Dasein der Humanität gewidmet hat. Mittlerweile ist die Aufmerksamkeit völlig auf letzteres gerichtet. Die zentrale Wichtigkeit der Ökosphäre wird dabei ignoriert. Dieses homozentrierte Prinzip, das auf die Gesellschaft ausgedehnt wird nur als Sorge für das Wohlbefinden der Menschen, gilt als eine solche Lehre, deren Hauptzug der Spezienegoismus ist. Diese Lehre bedroht die Weltnatur schlechthin. Das Biozentrierte dagegen zeugt vom ethischen Fortschritt, indem es Mitgefühl und Verständnis über die Menschheit auf andere Organismen ausdehnt. Jedoch ist sein Umfang begrenzt. Ihm gelingt es nicht, die Wichtigkeit des totalen ökologischen „Umgebens“ wahrzunehmen. Ohne die Priorität, der Erde als Ganzheit bewusst zu sein, kehrt das Biozentrierte leicht zum chauvinistischen homozentrierten Prinzip zurück, denn welche Kreatur unter den Lebewesen wird als die klügste und beste betrachtet? Das Ökozentrierte, das die Ökosphäre als das primäre lebensschöpfende System anerkennt anstatt ausschließlich als Lebenserhaltende, ist der Maßstab, nach dem die Menschheit ihr künftiges Handeln richten soll.

Wir Menschen sind Geschöpfe mit Bewußtsein, die von der generativen Kraft der Ökosphäre zeugen. Das „am-Leben-sein“ des Individuums wird empfunden als untrennbar von der Luft, dem Wasser, dem Land und der Nahrung, die andere Organismen hergeben. Genauso wie alle anderen unerlässlichen Lebewesen, die von der Erde geboren sind, sind wir durch lange Evolutionsprozesse auf die Töne, rythmischen Zyklen und Jahreszeiten der Erde „gestimmt“. Sprache, Denken und Intuition entstammen alle auf direkte oder metaphorische Weise unserem physischen Vorhandensein auf der Erde. Über bewusste Erfahrung hinaus verkörpert jeder Mensch eine Intelligenz, eine angeborene Weisheit des Körpers, die es ihm ermöglicht, an den Erdökosystemen als symbiotischer Teil teilzunehmen, ohne dass er seiner Teilnahme bewusst ist. Das Wahrnehmen der ökologischen Tatsache, dass die Menschen von der Erde stammen, ändert das Wertezentrum. Ein Wechsel geschieht vom Homo- zum Ökozentrierten, vom Homo sapiens zum Planeten Erde.


Prinzip 2. Die Kreativität und Produktivität des Erdökosystems hängt von der Integrität dieses Ökosystems ab.

“Integrität” bedeutet “Ganzheit”, “Vollkommensein” und “Fähigkeit, als Ganzheit zu funktionieren”. Das Grundprinzip sind die von der Sonne bestrahlten Ökosysteme, dort wo sie intakt und unbeschädigt sind: zum Beispiel ein produktiver Streifen des kontinentalen Unterseeschelfes oder ein gemäßigter Regenwald in den Zeiten vor den Menschenzivilisationen, als die Menschen sich hauptsächlich um Nahrungssuche sorgten. Obgleich jene Zeiten nicht mehr in Erinnerung sind, vermitteln ihre Ökosysteme, soweit wir wissen, immer noch die einzigen Entwürfe haltbarer Land-, Forst- und Fischereiwirtschaften. Aktuelle Mängel in diesen drei Industrien zeugen von den Folgen zerfallender Integrität. Es herrscht nämlich sowohl der Verlust an Produktivität und Ästhetik als auch die fortschreitende Unterbrechung der integralen Funktionen der Ökosysteme.

Die evolutionäre Kreativität und noch vorhandene Produktivität der Erde und ihre regionalen Ökosysteme benötigen den Bestand ihrer zentralen Strukturen und ökologischen Prozesse. Diese interne Integrität hängt vom Schutz der einzelnen Ökosysteme ab mit ihren unzähligen Formen entwickelter Kooperation und gegenseitiger Abhängigkeit. Integrität hängt ab von komplizierten Nahrungswegen und Energieströmen, von intakter Erde und vom Zyklus der wesentlichen Materialien, z.B. Stickstoff, Kalium und Phosphor. Dazu kommt, dass die natürliche Zusammensetzung von Luft, Sedimenten und Wasser von zentraler Wichtigkeit für die Prozesse und Funktionen der Natur ist. Die Verschmutzung dieser drei Elemente sowie die Extraktion anorganischer und organischer Konstituenten schwächt die Integrität und die Normen der Ökosphäre, der Quelle evolvierenden Lebens.


Prinzip 3. Das Erde als Weltbildzentrum ist durch die Naturkunde unterstützt

Die Erde als Weltbildzentrum is gestützt durch die Naturkunde, die die Geschichte der Erdeentwicklung ist. Kosmologen und Geologen erzählen von den Anfängen der Erde vor vier Milliarden Jahren; sie erzählen von der Erscheinung kleiner Meereslebewesen in frühen Sedimenten, vom Ursprung landlebender Tiere im Meer, vom Zeitalter der Dinosaurier und von der Evolution im allgemeinen, die durch Insekten, blütentreibende Pflanzen und Säugetiere, von denen die Primaten und Menschen hervorgegangen sind. Wir teilen genetisches Material und eine gemeinsame Herkunft mit allen anderen Kreaturen, die in den Erdökosystemen vorhanden sind. Solche Erzählungen positionieren die Rolle der Menscheit in das wirkliche Zusammenleben. Die Entwicklung der Erde durch die Äonen ist durch die Ko-Evolution der Menschen mit mannigfaltigen Oranismen bestimmt. Diese Ko-Evolution ist hauptsächlich durch Harmonie gekennzeichnet, nicht allein durch Konkurrenz. Organische Ko-existenz verlangt Gegenseitigkeit, Kooperation und eine Symbiose.

Kulturelle Mythen und Geschichten, die unsere Ansichten und Werte formen, zeugen davon, woher wir gekommen sind, wer wir sind und wohin wir in Zukunft gehen. Diese Geschichten sind auf unrealistische Weise homozentrisch oder außerirdisch. Dagegen ist der auf Beweisen ruhenden, nach außen gerichteten Erzählung der Evolution – geschaffen von Sternenstaub, mit Vitalität ausgestattet und von den natürlichen Zyklen der Ökosphäre unterhalten – Glauben zu schenken; diese Erzählung ist sogar bewundernswerter als die menschenzentrierten Mythen. Dadurch, dass die Menschheit im Zusammenleben gezeigt wird, d.h. als organische Komponente des Planeten, haben ökozentrierte Erzählungen auch einen funktionalen Zweck und ein ethisches Ziel, wobei der menschliche Teil der Erde ihrer Ganzheit dient.


Prinzip 4. Eine ökozentrierte Ethik basiert auf der Wahrnehmung unseres Platzes in der Natur

Die Ethik betrifft die selbstlosen Ansichten und Taten, die aus Kernwerten stammen, d. h. aus dem Sinn dafür, was grundsätzlich wichtig ist. Eine volle Anerkennung der Erde motiviert ethisches Benehmen ihr gegenüber. Die Hochschätzung der Erde wächst auf natürliche Weise aus den in der Natur gesammelten Erfahrungen der Kindheit und wenn man erwachsen ist, ist sie ein Resultat ansässigen Lebens, denn durch ansäßiges Leben werden die Formen der Erde und des Wassers, wie Pflanzen und Tiere vertraut, als feste Teile der eigenen Umwelt. Die ökologische Weltanschauung und Ethik, die zentrale Werte aus der Ökosphäre zieht, wird gestärkt durch das unmittelbare Erfahren und Empfinden der natürlichen und scheinbar natürlichen Welt; das geschieht eher im ländlichen, weniger im städtischen Milieu. Die Wahrnehmung des eigenen Platzes in der Welt ruft Verwunderung und Staunen hervor, sowie den Willen, die uralten Wunder und natürlichen Mechanismen der Ökosphäre wiederherzustellen und zu schützen.

Die Erdkugel und die mannigfaltigen Ökosysteme mit ihren Matrixelementen – Luft, Land, Wasser und organische Wesen – umgeben und ernähren jeden einzelnen Menschen und jede einzelne Gemeinschaft. Das Leben wird zyklusmäßig geschenkt und wieder zurückgenommen. Sich der eigenen Person als ökologisches Wesen bewußt zu sein, das von Wasser und Organismen ernährt wird und das als Luft atmendes Tier an der von der Sonne gewärmten Grenzfläche lebt, wo Erde und Luft zusammenkommen, schafft einen Sinn des Gebundenseins und der Ehrfurcht vor dem Reichtum und der sich selbst erhatenden Vitalität der Natur.


Prinzip 5. Ein ökozentriertes Weltbild schätzt die Diversität der Ökosysteme und Kulturen

Eine der Hauptansichten der auf die Erde zentrierten Perspektive ist der Reichtum und die unglaubliche Mannigfaltigkeit der Ökosysteme und ihrer organischen und anorganischen Teile. Die Oberfläche der Erde bietet ästhetisch eine reizvolle Diversität von arktischen, gemäßigten und tropischen Ökosystemen. Innerhalb dieses globalen Mosaiks sind die zahlreichen Arten von Pflanzen, Tieren und Menschen abhängig von den begleitenden Land-, Erd- und Wasserformen und den lokalen Klimata. Deswegen hängt die Biodiversität und die Diversität der Organismen von der Unterhaltung der Ökodiveristät und der Diversität der Ökosysteme ab. Kulturelle Diversität, eine Form der Biodiversität, ist das historische Resultat der Tendenz der Menschen, ihre Aktivitäten, Gedanken und Sprachen an spezifische geographsiche Ökosysteme anzupassen. Deshalb ist das, was die Umwelt degradiert und zerstört, sowohl eine biologische als auch eine kulturelle Gefahr und Schande. Ein ökozentriertes Weltbild schätzt die Diversität der Erde in all ihren Formen; dies gilt sowohl dem Nicht-Menschlichen als auch dem Menschlichen.

Jedwede Menschenkultur der Vergangenheit entwickelte eine einzigartige Sprache, die ästhetisch und ethisch auf die sehbaren, riechbaren, hörbaren, schmeckbaren sowie fühlbaren Wahrnehmungen des bestimmten Erdteils basierte, das ihnen heimisch war. Eine solche kulturelle und auf die Ökosysteme basierende Diversität war wichtig; sie stützte verschiedene Arten des umweltfreundlichen Lebens in verschiedenen Erdteilen. Heutzutage sind die ökologischen Sprachen der Ureinwohner und die kulturelle Diversität, die sie darstellen, genauso gefährdet wie die tropischen Wälder. Dies geschieht aus demselben Grunde: die Welt wird homogenisiert, Ökosysteme werden vereinfacht, Diversität wird reduziert. Die ökozentrierte Ethik fordert die aktuelle Globalisierung der Ökonomien heraus, die die ökologische Weisheit in den diversen Kulturen ignoriert und sie dabei um des kurzsichtigen Profits willen zerstört.


Prinzip 6. Die ökozentrierte Ethik stützt die soziale Gerechtigkeit

Viele der Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft der Menschen sind Folgen der Ungleichheit. In dieser Hinsicht sind sie eine Untermenge der größeren Ungerechtigkeiten, die von Menschen gegen die Erdökosysteme und ihre Spezies begangen werden. Was die ausgedehnten Gemeinschaftsformen betrifft, hebt der Ökozentrismus die Wichtigkeit aller interaktiven Erdkomponenten hervor, wobei diejenigen Komponenten inbegriffen sind, deren Funktionen uns unbekannt sind. Auf diese Weise wird der intrinsische Wert aller organischen und anorganischen Teile der Ökosystem etabliert, ohne ihren vorsichtigen Verbrauch zu verbieten. „Diversität mit Gleichheit“ ist das Motto: ein auf der Integrität der Natur basierendes ökologisches Gesetz, das eine ethische Richtlinie für die Gesellschaft der Menschen darstellt.

Sozioökologen kritisieren zu Recht die hierarchische Organisation der Kulturen, die gegen die Machtlosen diskriminiert, insbesonders gegen benachteiligte Frauen und Kinder. Das Argument ist zum Teil richtig, da der Fortschritt in Richtung einer dauerhaften Lebensweise solange verhindert wird, bis der kulturelle Fortschritt die Spannungen verringert, die aus den sozialen und geschlechtsorientierten Ungerichtigkeiten entstehen. Was dieses Argument nicht berücksichtigt, ist der aktuelle rapide Zerfall der Erdökosysteme, die die Spannungen zwischen den Menschen vermehrt und die Möglichkeiten für Dauerhaftigkeit im Verbrauch und für die Beseitigung der Armut verhindert. Fragen sozialer Gerechtigkeit können, ungleich wie wichtig sie sind, nicht gelöst werden, bevor die Blutungen der Erdökosysteme nicht dadurch gestoppt sind, dass homozentrierte Philosophien und Aktivitäten ihr Ende erreichen.


Aktionsprinzipien

Prinzip 7. Verteidige und bewahre das Schöpfungspotential der Erde

Die Schöpfungsmächte der Ökosphäre sind durch ihre widerstandsfähigen geographischen Ökosysteme gekennzeichnet. Deswegen hebt die ökozentrierte Philosophie als oberste Priorität den Schutz und die Wiederherstellung der natürlichen Ökosysteme und ihre Teilspezies hervor. Abgesehen von einer planetenzerstörenden Kollision durch Kometen oder Asteroiden wird das fortschreitende und unaufhaltsame Schöpfungspotential der Erde noch Millionen von Jahren andauern. Dieses Potential wird nur dort gebrochen, wo die Menschen ganze Ökosysteme durch die Vergiftung der Sedimente, des Wassers und der Luft zerstört haben. Die unwiderrufbare Ausrottung Dunkelheit der Ausrottung entfernt Fäden im organischen Netz, wobei die Schönheit der Erde und das Potential der künftigen Entstehung von einzigartigen Ökosystemen mit Begleitorganismen reduziert wird. Einige dieser Begleitorganismen dürften durch eine Sensitivität und Intelligenz gekennzeichnet sein, die die der Menschen überttrifft.

„Die erste Regel des vernünftigen Bastelns ist das Aufbewahren aller Teile“ (Aldo Leopold – Sand County Almanac). Die Aktivitäten, die die Stabilität und Gesundheit der Ökosphäre reduzieren, müssen identifiziert und öffentlich verworfen werden. Unter den destruktivsten menschlichen Aktivitäten sind der Militarismus und seine ungeheuren Ausgaben, die Ausgrabung toxischer Materialien im Bergbau, die Herstellung biologischen Gifts in allen Formen und die industrialisierte Landwirtschaft, Waldwirtschaft und Fischerei. Wenn nicht unterbunden, werden die beschriebenen lethalen Technologien, die gerechtfertigt werden als Schutz von spezifischen Bevölkerungsgruppen, besondere finanzielle Interessen fördern und die Wünsche der Menschen zu immer größeren ökologischen und sozialen Katastrophen führen.


Prinzip 8. Reduziere die Weltbevölkerung

Eine wesentliche Ursache der Zerstörung des Ökosystems und des Aussterbens bestimmter Spezies entstammt der wachsenden Weltbevölkerung, die bereits bei weitem das Niveau des ökologisch haltbaren überschritten hat. Die Gesamtbevölkerung, die jetzt bei 6,5 Milliarden ist, wächst unaufhaltsam jährlich um 75 Millionen Menschen. Jeder zusätzliche Mensch ist ein “Verbraucher” der Umwelt auf einem Planeten, dessen Kapazität, für all seine Kreaturen zu sorgen, durch seine Größe beschränkt ist. In allen Ländern entwickelt sich die Last der Menschenanzahl fort, die die Integrität und generative Funktion der Erde, der Gewässer und der Meeresökosysteme untergräbt. Die von Menschen produzierte Monokultur ist dabei, die Polykulturen der Natur zu überfordern und zu zerstören. In jedem Land muss die Größe der Bevölkerung dadurch reduziert werden, dass die Geburtenrate reduziert wird.

Ökozentrierte Ethiken, die die Erde und ihre herausgebildeten Systeme mehr schätzen als die Spezies, verurteilen die Akzeptanz der unbeschränkten Fruchtbarkeit. Das aktuelle Bedürfnis, die Anzahl der Menschen zu reduzieren, ist in den reichen Ländern am größten, wo der Energie- und Materialienverbrauch pro Kopf am höchsten ist. Ein vernünftiges Ziel ist die Reduzierung der Weltbevölkerung zurück zu einer Zahl, die sie vor dem allgemeinen Verbrauch von fossilen Energiequellen hatte, d.h. zu einer Milliarde oder weniger. Dieses Ziel wird man erreichen entweder durch intelligente Politik oder durch nicht beschränkbare Seuchen, Hungersnöte und Kriege.


Prinzip 9. Reduziere den Verbrauch der Erdteile

Die Hauptbedrohung, die jetzt auf der Diversität, Schönheit und Stabilität der Ökosphäre lastet, ist die immer schneller ansteigende Ausbeutung der Bodenschätze des Planeten durch die Menschen. Die Aneignung und der Überverbrauch der natürlichen Ressourcen, die durch die wachsende Überbevölkerung gerechtfertigt werden, entzieht anderen Organismen ihren Lebenunterhalt. Die egoistische homozentrierte Sichtweise, bei der die Menschen das Recht haben, sich alle Komponenten des Ökosystems – Luft, Land, Wasser, Organismen – anzueignen, ist moralisch zu verdammen. Im Gegensatz zu Pflanzen sind wir Menschen „Heterotrophen“ (andere Fresser); wir müssen deswegen töten, um zu essen, uns zu kleiden und uns Obdach zu garantieren. Dieser Sachverhalt ist aber keine Erlaubnis, zu plündern und exterminieren. Der sich beschleunigendeVerbrauch von den primären Teilen der Erde führt zur Zerstörung der Ökovielfalt und Biodiversität. Während reiche, mit mächtiger Technologie bewaffnete Länder die Hauptschuldigen sind – denn sie sind diejenigen, die die Fähigkeit haben, ihren Verbrauch zu reduzieren und ihren Reichtum mit denen zu teilen, die wenig haben – ist kein Land unschuldig.

Die Ideologie, die dem Markt ewiges Wachstum zuspricht, muss abgelehnt werden, sowie die perversen industriellen und ökonomischen Praktiken, die darauf basieren. Die These, bei der das Wachstum Grenzen hat, ist weise. Ein logischer Schritt, der die eigennützige ökonomische Expansion reduzieren wird, ist die Streichung öffentlicher Subventionen für die Industrien, die Luft, Land oder Wasser verseuchen und/oder Organismen und Erde zerstören. Eine Philosophie der Symbiotik, die Wert darauf legt, als Mitglied der Erdgemeinschaft zu leben, wird für die Restauration der produktiven Ökosysteme bürgen. Für erneuerbare Ökonomien sind die leitenden Leuchtfeuer qualitativ, nicht quantitativ. „Wache über die Gesundheit, Schönheit und Dauerhaftigkeit von Land, Wasser und Luft, und die Produktivität wird sich selber unterhalten.“ (E. F. Schumacher – Small is Beautiful).


Prinzip 10. Fördere ökozentriertes Handeln

Homozentrierte Ideen des Regierens, die das Ausnutzen und die Zerstörung von Erdökosystemen fördern, müssen ersetzt werden durch diejenigen Ideen, die das Überleben und die Integrität der Ökosphäre und ihrer Komponenten garantieren. Verfechter der zentralen Strukturen und Funktionen der Ökosphäre sind als einflußreiche Mitglieder der regierenden Institutionen benötigt. Solche „Ökopolitiker“, weil sie die Prozesse der Erde und Menschenökologie verstehen, werden den Stimmlosen eine Stimme geben. In den herrschenden Umständen spricht keiner für die Wölfe und keiner für die Tropenwälder. Solche Fragen sind weitreichender als ihre Metaphorik andeutet; sie unterstreichen die Notwendigkeit, gesetzlich die zahlreichen zentralen, nicht-menschlichen Komponenten der Ökosphäre zu schützen.

Ein Korpus umwelschützender Gesetze ist erforderlich, der die wesentlichen Strukturen und Funktionen der Ökosphäre anerkennt. In jedem Land müssen öko-freundliche Menschen in wichtige Stellen gewählt oder berufen werden. Wachsame Anwälte werden als Verteidiger agieren, wenn Ökosysteme und ihre Prozesse bedroht sind. Fälle werden danach entschieden, wie sie die Integrität des Ökosystems konservieren, und nicht danach, wie sehr sie die Integrität der Ökonomie stützen. Mit der Zeit werden neue Gesetze, Politik und Administrationen entstehen als Verkörperungen von einer ökozentrierten Philosophie; sie werden zu neuen ökozentrierten Methoden des Regierens führen. Die Durchführung dieser Methoden wird schrittweise über lange Zeit hinweg geschehen, während die Menschen nach den praktischen Methoden suchen, das Wohlergehen notwendiger, nicht-menschlicher Teile der Erde und ihrer Ökosysteme zu sichern.

Prinzip 11. Verbreite die Botschaft

Diejenigen, die mit den vorangehenden Prinzipien einverstanden sind, sind dazu verpflichtet, die Botschaft durch Erziehung und Führung weiter zu verbreiten. Die erste dringende Aufgabe besteht darin, die Menschen auf ihre funktionale Abhängigkeit von den Erdökosystemen sowie auf ihre Verbindungen zu anderen Spiezies aufmerksam zu machen. Eine nach außen gerichtete Änderung vom homozentrierten zum ökozentrierten Fokus wird daraus folgen. Dieser neue Fokus soll menschliches Handeln mäßigen. Solch ein Wechsel signalisiert das, was geschehen muss, um das evolutionäre Potential der Ökosphäre aufrechtzuerhalten. Es verdeutlicht die Notwendigkeit hervor, dass man an ökofreundlichen gesellschaftsorientierten Aktivitäten teilnimmt, wobei jeder das seine tut, um die einzigartige alles umgebende Realität zu bewahren.

Dieses ökozentrierte Manifest ist nicht gegen die Menschen gerichtet, obgleich es chauvinistisches homozentriertes Handeln und Denken ablehnt. Dadurch, dass es unvergängliche Werte fördert, d.h. eine Kultur der Harmonie und Symbiose mit diesem einzigartigen lebenden Planeten, stützt es eine einheitliche Ansicht. Die entgegengesetzte Perspektive – die nach innen schaut ohne das, was außen ist, wahrzunehmen – ist eine immerwährende Gefahr, wie die sich bekriegenden Ideologien, Religionen und Sekten der Menschen deutlich belegen. Die ökologische Botschaft zu verbreiten, die geteilte Realität der Menschen zu betonen bahnt einen Pfad, der zu Verständnis, Kooperation, Stabilität und letzendlich Frieden führt.



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